Private und berufliche Dinge trennen – warum das mehr Ruhe bringt als jedes Tool

Private und berufliche Dinge trennen – warum das mehr Ruhe bringt als jedes Tool

Und weshalb diese Trennung für Coaches besonders wichtig ist

Viele Coaches kennen das Gefühl, dass Arbeit nie richtig endet.
Gedanken an Klient:innen, offene Themen, organisatorische Aufgaben – sie tauchen nicht nur im Arbeitsalltag auf, sondern auch abends, am Wochenende oder im Urlaub.

Nicht, weil zu viel gearbeitet wird.
Sondern weil Grenzen fehlen.


Wenn alles gleichzeitig passiert

Gerade in der Selbstständigkeit verschwimmen Bereiche schnell:

  • berufliche E-Mails auf dem privaten Handy
  • Termine im gleichen Kalender wie private Verpflichtungen
  • Unterlagen verteilt über private und berufliche Ablagen
  • Finanzthemen, die sich mischen

Nach außen wirkt das oft pragmatisch.
Nach innen erzeugt es Unruhe.

Denn das Gehirn unterscheidet nicht zwischen „nur kurz“ und „eigentlich frei“.


Warum Coaches besonders betroffen sind

Coaches arbeiten nicht mit klar abgeschlossenen Aufgaben,
sondern mit Prozessen, Beziehungen und Verantwortung.

Das bedeutet:

  • Themen wirken nach
  • Gespräche bleiben im Kopf
  • Entscheidungen brauchen innere Verarbeitung

Wenn dann auch noch die äußeren Strukturen unscharf sind, entsteht Daueranspannung.

Nicht sichtbar – aber spürbar.


Trennung ist keine Abgrenzung gegen Menschen

Viele Coaches zögern bei klaren Trennungen, weil sie Sorge haben:

„Dann bin ich weniger erreichbar.“
„Dann bin ich weniger engagiert.“
„Dann wirke ich unflexibel.“

Doch eine saubere Trennung richtet sich nicht gegen Klient:innen.
Sie richtet sich für dich.

Sie schafft einen Rahmen, in dem Engagement möglich bleibt,
ohne dass es dich dauerhaft bindet.


Was wissenschaftlich gut belegt ist

Arbeitspsychologische Studien zur Boundary Theory zeigen:
Menschen, bei denen berufliche und private Rollen stark vermischt sind, erleben häufiger:

  • mentale Erschöpfung
  • Konzentrationsprobleme
  • emotionale Überforderung

(Kreiner et al., Journal of Applied Psychology)

Klare Übergänge – selbst einfache – reduzieren Stress messbar.
Nicht durch weniger Arbeit, sondern durch bessere Einordnung.


Trennung beginnt nicht bei Tools

Ein häufiger Reflex:

„Ich brauche ein besseres Tool.“

Doch Tools lösen kein Grenzproblem.
Sie verstärken höchstens, was bereits klar ist.

Trennung beginnt bei einfachen Fragen:

  • Was gehört zu meiner Arbeit – und was nicht?
  • Wann bin ich im beruflichen Modus – wann nicht?
  • Wo haben berufliche Themen ihren festen Platz?

Erst danach machen Tools Sinn.


Kleine Trennungen, große Wirkung

Es braucht keine radikalen Maßnahmen.
Oft reichen kleine, bewusste Schritte:

  • ein separater beruflicher Kalender
  • eine klare berufliche E-Mail-Adresse
  • feste Orte für Unterlagen
  • definierte Zeiten für berufliche Kommunikation

Nicht, um dich einzuschränken.
Sondern um Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen.


Warum das mehr bringt als jedes System

Systeme sind hilfreich.
Aber sie wirken nur, wenn der Rahmen stimmt.

Ohne Trennung:

  • bleibt das Gefühl von „immer zuständig“
  • werden Pausen nicht erholsam
  • fühlt sich Arbeit nie abgeschlossen an

Mit klaren Grenzen:

  • entsteht innere Entlastung
  • können Gedanken abschalten
  • wird Arbeit wieder bewusster

Das ist keine Effizienzfrage.
Das ist eine Frage von Selbstfürsorge im Arbeitsalltag.


Ein realistischer Blick

Trennung bedeutet nicht:

  • dass nichts mehr ineinander greift
  • dass du nie wieder an Arbeit denkst
  • dass alles sauber getrennt bleibt

Trennung bedeutet:

Du weißt, wo du berufliche Themen einordnest –
und wo sie bewusst nicht hingehören.

Das allein verändert viel.


Einordnender Abschluss

Viele Coaches suchen Ruhe im Außen:
neue Tools, neue Methoden, neue Strukturen.

Oft entsteht Ruhe jedoch dort,
wo Grenzen klar werden – nicht wo Systeme wachsen.

Private und berufliche Dinge zu trennen
ist kein Rückzug.
Es ist eine Grundlage dafür, langfristig präsent zu bleiben.


👉 Weiterführend

Wenn du merkst, dass dich nicht die Arbeit selbst erschöpft,
sondern das ständige „Nicht-abschalten-können“,
liegt das häufig an fehlenden oder unklaren Grenzen im Alltag.

Genau hier setzt strukturierende Begleitung an.

Dieser Artikel gehört zu einer zusammenhängenden Serie.
Eine Übersicht aller Beiträge findest du hier.