Wenn alles läuft, aber nichts leicht ist

Wenn alles läuft, aber nichts leicht ist

Warum funktionierende Selbstständigkeit trotzdem erschöpfen kann

Nach außen betrachtet wirkt alles stabil.
Klient:innen sind da. Termine laufen. Arbeit findet statt.

Und trotzdem fühlt sich der Alltag schwer an.
Nicht dramatisch. Nicht chaotisch.
Aber dauerhaft anstrengend.

Viele Coaches kennen dieses Gefühl – und können es kaum benennen.


Das Paradoxe an funktionierendem Alltag

Wenn etwas nicht läuft, ist das Problem sichtbar.
Wenn etwas läuft, aber Kraft kostet, wird es schwierig.

Denn:

  • Es gibt keinen klaren Anlass
  • Kein offensichtliches „Problem“
  • Keine einfache Erklärung

Der Gedanke taucht leise auf:

„Warum fühlt sich das so mühsam an, obwohl es doch funktioniert?“

Diese Frage wird oft übergangen –
weil alles ja „eigentlich okay“ ist.


Wenn Stabilität zur Dauerbelastung wird

Viele Coaches arbeiten in einem Zustand permanenter Verantwortung:

  • Termine müssen gehalten werden
  • Klient:innen erwarten Verlässlichkeit
  • Entscheidungen enden nie wirklich

Das ist kein Ausnahmezustand.
Es ist der Normalbetrieb.

Und genau darin liegt das Problem:

Dauerhafte Stabilität ohne Entlastung erschöpft.

Nicht sofort.
Aber schleichend.


Warum Erfolg nicht automatisch entlastet

Ein verbreiteter Irrtum:

Wenn es läuft, wird es leichter.

In der Praxis passiert oft das Gegenteil:

  • Verantwortung wächst
  • Erwartungen steigen
  • Spielräume werden kleiner

Der Alltag wird dichter –
nicht freier.

Ohne bewusste Vereinfachung bleibt Erfolg arbeitsintensiv.


Das Unsichtbare kostet am meisten Energie

Was viele Coaches belastet, sind nicht die Termine selbst.
Sondern das, was dazwischen liegt:

  • ständiges Mitdenken
  • offene Schleifen
  • nicht abgeschlossene Entscheidungen
  • Prozesse, die „irgendwie laufen“, aber nie klar sind

Diese unsichtbaren Faktoren summieren sich –
und erzeugen das Gefühl von Schwere.


Warum das selten thematisiert wird

Überforderung wird angesprochen.
Chaos auch.

Aber Erschöpfung trotz funktionierendem Alltag
passt nicht in gängige Erzählungen.

Viele denken:

„Ich darf mich nicht beschweren – es läuft doch.“

Doch genau diese Haltung verhindert Entlastung.


Vereinfachung ist kein Rückschritt

In dieser Phase hilft kein:

  • neues Tool
  • neues Ziel
  • neues Projekt

Was hilft, ist Vereinfachung.

Nicht im Sinne von:

  • weniger arbeiten
  • alles umkrempeln

Sondern im Sinne von:

  • Entscheidungen abschließen
  • Prozesse klären
  • Zuständigkeiten definieren
  • Dinge bewusst nicht weiterzuverfolgen

Vereinfachung ist kein Stillstand.
Sie ist Weiterentwicklung.


Was Forschung dazu zeigt

Studien zur chronischen mentalen Belastung zeigen:

Dauerhafte kognitive Beanspruchung ohne echte Erholungsphasen führt zu Erschöpfung – selbst bei subjektiv „erfolgreicher“ Arbeit.

(Hockey, Cognitive-Energetical Theory)

Nicht der Arbeitsumfang ist entscheidend,
sondern die permanente gedankliche Präsenz.


Wenn Weiterentwicklung leise wird

Weiterentwicklung sieht in dieser Phase nicht spektakulär aus.

Sie zeigt sich eher so:

  • Dinge werden einfacher
  • Abläufe ruhiger
  • Entscheidungen klarer
  • Arbeit fühlt sich wieder tragbar an

Nicht größer.
Nicht schneller.
Sondern stimmiger.


Ein realistischer Blick

Wenn alles läuft, aber nichts leicht ist,
ist das kein Zeichen von Undankbarkeit.

Es ist ein Hinweis darauf,
dass dein Alltag mehr Entlastung braucht –
nicht mehr Leistung.

Diese Phase ernst zu nehmen,
ist ein Zeichen von Reife –
nicht von Schwäche.


Einordnender Abschluss

Manchmal ist nicht das Wachstum das Problem.
Sondern die fehlende Vereinfachung danach.

Wenn alles läuft,
ist genau der richtige Zeitpunkt,
den Alltag leichter zu machen.

Nicht später.
Nicht irgendwann.
Sondern bewusst.


👉 Weiterführend

Wenn du merkst, dass dein Alltag funktioniert, dich aber dauerhaft Kraft kostet, kann es sinnvoll sein, bestehende Strukturen zu überprüfen und zu vereinfachen – nicht aus Mangel, sondern aus Verantwortung dir selbst gegenüber.

Genau hier setzt Weiterentwicklung & Entlastung an.

Dieser Artikel gehört zu einer zusammenhängenden Serie.
Eine Übersicht aller Beiträge findest du hier.