Warum viele Coaches fachlich gut sind – aber im Alltag scheitern

Warum viele Coaches fachlich gut sind – aber im Alltag scheitern

Und weshalb das selten mit mangelnder Kompetenz zu tun hat

Viele Coaches arbeiten fachlich auf hohem Niveau.
Sie sind gut ausgebildet, reflektiert, empathisch und wirksam in der Arbeit mit Menschen.

Und trotzdem erleben sie ihren Alltag als:

  • anstrengend
  • unübersichtlich
  • instabil
  • dauerhaft fordernd

Nicht selten entsteht dabei ein leiser, unangenehmer Gedanke:

„Vielleicht bin ich doch nicht geeignet für die Selbstständigkeit.“

Dieser Gedanke ist verständlich –
aber in den meisten Fällen falsch.


Fachliche Kompetenz schützt nicht vor Alltagsproblemen

Coaching-Kompetenz wirkt im Gespräch.
Im Prozess.
In der Begleitung anderer Menschen.

Der Alltag der Selbstständigkeit folgt jedoch einer anderen Logik:

  • Organisation
  • Entscheidungen
  • Verantwortung
  • Struktur

Zwischen diesen beiden Ebenen gibt es keinen Automatismus.

Gut coachen zu können bedeutet nicht automatisch,
den eigenen Arbeitsalltag tragfähig gestalten zu können.


Wo das Scheitern tatsächlich beginnt

Viele Coaches scheitern nicht an ihrer Arbeit,
sondern an der Unsichtbarkeit der Anforderungen.

Der Alltag fordert:

  • Entscheidungen ohne klare Rückmeldung
  • Verantwortung ohne äußere Struktur
  • Ordnung ohne Vorgaben
  • Priorisierung ohne Vergleichsmaßstab

Das ist anspruchsvoll – auch für sehr kompetente Menschen.


Das Problem ist selten fehlendes Wissen

Was auffällt:
Viele Coaches wissen sehr viel.

Sie haben:

  • Kurse besucht
  • Bücher gelesen
  • Tools ausprobiert
  • sich intensiv informiert

Und trotzdem bleibt das Gefühl:

„Ich komme nicht richtig ins Arbeiten.“

Das liegt daran, dass Wissen keine Struktur ersetzt.
Und Input keine Ordnung schafft.


Wenn alles gleichzeitig wichtig scheint

Ein typisches Muster:

  • alles fühlt sich relevant an
  • nichts fühlt sich klar priorisiert an
  • jede Entscheidung kostet Energie

Ohne Struktur entsteht das Gefühl von Daueranspannung.
Nicht laut – aber konstant.

Studien zur kognitiven Überlastung zeigen:

Wenn Aufgaben nicht klar eingeordnet sind, steigt das Stresserleben unabhängig von der tatsächlichen Arbeitsmenge.

(Sweller, Cognitive Load Theory)

Es ist also nicht „zu viel Arbeit“.
Es ist zu wenig Einordnung.


Warum gerade engagierte Coaches gefährdet sind

Menschen mit hoher Verantwortung und starkem Engagement:

  • hinterfragen sich häufiger
  • nehmen Probleme schneller persönlich
  • versuchen, noch besser zu werden

Das führt zu einem paradoxen Effekt:
Je engagierter jemand ist,
desto eher zweifelt er an sich –
statt an den Rahmenbedingungen.


Alltag scheitert nicht spektakulär

Scheitern im Alltag sieht selten dramatisch aus.

Es zeigt sich eher so:

  • Dinge bleiben liegen
  • Entscheidungen werden vertagt
  • Ordnung fühlt sich mühsam an
  • Erschöpfung wird normal

Nach außen läuft alles.
Nach innen wird es immer schwerer.


Struktur ist kein Zeichen von Schwäche

Viele Coaches zögern, sich Unterstützung im organisatorischen Bereich zu holen.
Weil sie denken:

„Das müsste ich doch alleine können.“

Dabei ist Struktur keine Frage von Können.
Sondern von Rahmen.

In anderen Kontexten ist das selbstverständlich:

  • Unternehmen haben Prozesse
  • Organisationen haben Systeme
  • Teams haben klare Rollen

Warum sollte das in der Selbstständigkeit anders sein?


Der entscheidende Perspektivwechsel

Der Wendepunkt kommt oft mit einer einfachen Erkenntnis:

„Ich bin fachlich nicht das Problem.
Der Rahmen passt nicht.“

Diese Erkenntnis ist entlastend.
Und sie eröffnet Handlungsspielraum.

Denn Rahmen lassen sich gestalten.
Schritt für Schritt.
Ohne alles infrage zu stellen.


Einordnender Abschluss

Viele Coaches sind fachlich gut –
und scheitern trotzdem im Alltag.

Nicht, weil sie ungeeignet sind.
Sondern weil ihnen niemand gezeigt hat,
wie Selbstständigkeit strukturell getragen werden kann.

Wer beginnt, den Alltag ernst zu nehmen,
muss nicht besser werden –
sondern klarer.


👉 Weiterführend

Wenn du merkst, dass dich nicht deine Arbeit als Coach erschöpft,
sondern das Drumherum,
ist das kein Zeichen von Versagen.

Es ist ein Hinweis darauf,
dass dein Alltag einen tragfähigeren Rahmen braucht.

Genau dafür gibt es bei All 4 Coaches Unterstützung im Hintergrund.

Dieser Artikel gehört zu einer zusammenhängenden Serie.
Eine Übersicht aller Beiträge findest du hier.