Warum Ordnung nichts mit Perfektion zu tun hat
Und weshalb sie für Coaches trotzdem entscheidend ist
Für viele Coaches ist Ordnung ein heikles Thema.
Nicht, weil sie Chaos mögen – sondern weil Ordnung oft mit etwas verbunden wird, das abschreckt:
Perfektion, Kontrolle, starre Systeme.
Dabei geht es bei Ordnung um etwas ganz anderes.
Ordnung hat ein Imageproblem
Wenn von Ordnung die Rede ist, entstehen schnell Bilder von:
- perfekt sortierten Ablagen
- minutiös geplanten Tagesabläufen
- To-do-Listen ohne Spielraum
- Menschen, die „alles im Griff haben“
Viele Coaches denken dann:
„So bin ich nicht.“
„So will ich auch nicht arbeiten.“
Und genau deshalb wird Ordnung oft vermieden – oder auf später verschoben.
Ordnung ist kein Persönlichkeitsmerkmal
Ein häufiger Irrtum:
Ordnung sei eine Frage des Typs.
Entweder man ist organisiert – oder eben nicht.
Aus arbeitspsychologischer Sicht ist das nicht haltbar.
Ordnung ist kein Charakterzug, sondern ein Arbeitsrahmen.
Sie dient nicht dazu, etwas zu kontrollieren,
sondern dazu, den Kopf zu entlasten.
Warum Coaches Ordnung besonders brauchen
Coaches arbeiten mit Menschen, Prozessen und Emotionen.
Das ist anspruchsvoll – auch mental.
Wenn dann zusätzlich:
- Unterlagen schwer auffindbar sind
- Termine unklar bleiben
- Informationen verteilt liegen
- Entscheidungen immer wieder neu getroffen werden müssen
entsteht eine Belastung, die nichts mit der eigentlichen Arbeit zu tun hat.
Studien zur kognitiven Belastung zeigen:
Unklare Strukturen erhöhen den mentalen Aufwand selbst bei einfachen Aufgaben erheblich.
(Sweller, Cognitive Load Theory)
Ordnung bedeutet: weniger entscheiden müssen
Ein unterschätzter Punkt:
Ordnung reduziert Entscheidungen.
Wenn klar ist:
- wo etwas liegt
- wo etwas hingehört
- wie etwas abläuft
muss darüber nicht jedes Mal neu nachgedacht werden.
Forschung zur Decision Fatigue (Baumeister et al.) zeigt:
Je mehr Entscheidungen ein Mensch im Alltag treffen muss, desto schneller sinkt die Entscheidungsqualität.
Ordnung schützt also nicht vor Arbeit –
sie schützt vor unnötiger Erschöpfung.
Perfektion ist der falsche Maßstab
Das Problem ist nicht Ordnung.
Das Problem ist der Maßstab, den viele an sie anlegen.
Perfektion bedeutet:
- alles ist immer sauber
- alles ist immer aktuell
- nichts darf liegen bleiben
Das ist unrealistisch – und unnötig.
Ordnung im Arbeitsalltag heißt:
„Ich finde, was ich brauche – wenn ich es brauche.“
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Gute Ordnung ist unauffällig
Die beste Ordnung merkst du nicht.
Sie drängt sich nicht auf.
Sie funktioniert im Hintergrund.
Wenn Ordnung gut gemacht ist:
- denkst du nicht über sie nach
- sie fordert keine Aufmerksamkeit
- sie schafft Ruhe
Genau deshalb ist sie so wertvoll.
Warum viele Ordnungsversuche scheitern
Viele Coaches scheitern nicht an Ordnung selbst,
sondern an zu großen Systemen.
Typische Fehler:
- zu viele Kategorien
- zu komplexe Ablagen
- Systeme, die gepflegt werden müssen
- Lösungen, die Disziplin statt Entlastung verlangen
Ordnung darf einfach sein – sonst hält sie nicht.
Ordnung ist ein Mittel, kein Ziel
Ordnung ist kein Selbstzweck.
Sie ist kein Projekt.
Sie ist kein Beweis von Professionalität.
Sie ist ein Mittel, um:
- fokussierter zu arbeiten
- klarer zu entscheiden
- weniger Energie zu verlieren
Gerade für Coaches, die viel geben, ist das entscheidend.
Ein realistischer Blick
Ordnung heißt nicht:
- dass alles immer stimmt
- dass nichts liegen bleibt
- dass es keinen Stress gibt
Ordnung heißt:
Du weißt, wo du ansetzen kannst, wenn es unruhig wird.
Das allein macht einen großen Unterschied.
Einordnender Abschluss
Ordnung hat nichts mit Perfektion zu tun.
Aber sehr viel mit Selbstfürsorge im Arbeitsalltag.
Nicht als Ideal –
sondern als tragfähige Grundlage.
👉 Weiterführend
Wenn du merkst, dass dein Alltag mehr Energie kostet, als er müsste, liegt das oft nicht an deiner Arbeit – sondern an fehlender oder überfordernder Struktur im Hintergrund.
Genau dort setzt eine begleitete Ordnung an.
Dieser Artikel gehört zu einer zusammenhängenden Serie.
Eine Übersicht aller Beiträge findest du hier.
